22 abril, 2018 Valerie Adolff

Lehrer*innen in Balance

So heisst die neue Initiative in Deutschland, die Carsten Bangert vor Jahren eingeführt hat mit dem Ziel,  Lehrer*innen dank Präventivmassnahmen zu mehr Aufmerksamkeit auf die Dinge hinführen möchte, die es ihnen erlaubt, mehr Zufriedenheit und Gesundheit in ihren Alltag zu bringen (www.carsten-bangert.de)

Es greift die Idee der Chinesen auf, dass der Körper, wenn er gesund sein will, eine gewisse Diszplin in Atmung und Bewegung erlernen muss, so wie die Buddisten und Taoisten es vor 2000 Jahren eingeführt hatten. Die Griechen nannten es „ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“ mit der Absicht ein gesundes und kräftiges Volk allzeit einsetzbar zu haben. Heute haben sich diese Techniken mit dem Namen Mindfulness und Körperaufmerksamkeit etabliert und tragen nachweisbar zur Reduzierung von Stress, Angstzuständen und Burn-outs bei. (http://www.achtsamkeit-intuition.de/wp-content/uploads/2016/10/Wissenschaftlicher_Nachweis_Stand_2014.pdf.pdf)

Meine nun fast 13 jährige Erfahrung in der Körperarbeit hat mir gezeigt, dass wir selbst die beste Präventionsmassnahmen mit uns bringen, wenn wir auf das hören, was der Körper uns zu sagen hat. Als Kinder leben wir unseren Körper. Als Erwachsener lernen wir es wieder!

Lehrer*innen in Balance, was bedeutet dieses Gleichgewicht für Zufriedenheit und Gesundheit aus meiner Praxis?

Körper-Gleichgewicht

Das Gleichgewicht liegt in der Natur des Körpers, wenn wir ihn lassen. Jeder Muskel funktioniert durch Anspannen und Loslassen, so auch unsere Möglicheit aktiv und passiv zu sein. Wenn wir krank sind, setzt der Körper alles in Bewegung, um wieder gesund zu werden.
Müssen wir binnen kurzer Zeit viel erledigen, so ermöglicht er uns dies dank einem komplexen Zusammenspiel von Gehirn und Körper und kommt wieder in den Ruhestand, wenn „die Gefahr“ vorbei ist. Leider geben wir ihm nicht immer die Chance dazu, und zwingen ihn damit, sich wie ein Motor zu „überheizen“

Das Konzept des work-life-balance sucht einen bewussten Ausgleich zwischen der Anforderung, die uns bei der Arbeit gestellt wird und der Erholung in unserer Freizeit, wo wir wieder neue Kräfte schöpfen.
Wenn wir allerdings immer dasselbe tun und nicht erkennen können, in welchen Momenten unseres Alltags, sei es im Beruf oder in der Freizeit, wir nicht mehr auf uns hören, können wir nicht mehr auf diese Regenerierung zurückgreifen. Es kommt zu Müdigkeit, Unentschiedenheit und fehlender Sicherheit.
Übungen zur Körperaufmerksamkeit, Ankurbelung unseres Energieniveaus, Ansporn durch neue Inspirationen und Motivation, ermöglichen es uns, wieder Verbindung zu unserem Körpergleichgewicht herzustellen und damit unseren Handlungsspielraum zu erhöhen. In meinem angehängten pdf findest Du eine Reihe von Übungen dafür:

http://www.valerieadolff.com/wp-content/uploads/Deinen-Körper-wahrnehmen-Valerie-Adolff-2018.pdf

 

Laut Stephan Kaiser und Max Josef macht Authentizität eine work-life-balance überflüssig. Dem stimme ich voll zu, denn wenn wir aufmerksam sind auf das was uns unser Körper mitteilt, dann wachsen daran, dass wir uns selbst besser kennenlernen, alte Selbstbilder aufgeben und den Mut gewinnen, uns auf Unbekanntes einzulassen. Unsere Zufriedenheit und Gesundheit steigt, wenn ich meinen Bedürfnissen folge und nicht mit dem Kopf an einem Ort und mit dem Körper an einem anderen bin.

Um Körperlich wieder kräftiger werden, benötigen wir bewusste Bewegung, Atmung und die Anpassung an die Gegebenheiten des Moments. Das heisst, dass wenn wir regelmässig Abendkurse geben, müssen wir unseren Tagesablauf und damit unseren Energie-Haushalt daran anpassen. Genauso ist es empfehlenswert in Wochen extremer Anforderung von Vorbereitung, Korrektur oder Projektarbeit, genug schlafen, ausgeglichen essen und immer wieder in Bewegung bleiben, um den Stress bewältigen zu können. Mehr dazu in folgendem Buch: Stephan Kaiser, Max Josef „Work-Life-Balance: Erfolgversprechende Konzepte  und Instrumente für Extrem-Jobber“

Die Stimme ist Werkzeug der Lehrer*innen und man schenkt ihr doch so wenig Beachtung

Ein Hauptaugenmerk wollen wir auch auf die Stimme legen, denn sie es das Hauptwerkzeug der Lehrer*innen. Wie kannst Du Deine Stimme bewusst und schonend einsetzen, wie kannst Du sie trainieren, dass sie Dir hilft die Information, die Du weitergeben willst, genau so zu vermitteln? Welches Übungen helfen, welche individuellen Bedürfnisse hast Du beim Sprechen?

Unsere Stimme hängt stark von unserer Körperhaltung, unserer Atmung und Tagesstimmung ab. Wenn wir ein paar Regeln beachten, unseren Körper täglich strecken, bewegen und aufmerksam atmen, können wir unseren Kehlkopf und Stimmbänder bestens vorbereiten.
Im Buch „Stimmtherapie für Erwachsene“ nehmen die Autoren Hammer, Thiel und Frauer bezug auf Haltung, Atmung und Stimmeinsatz.

Fremdsprachen-Lehrer*innen benötigen eine Reihe mehr an Hilfsmitteln, um sich auf andere Töne, Aussprache und Satzmelodien einlassen zu können. Da spielen auch Kenntnisse über kulturelle Verhaltensmuster, eine positive Einstellung zu Fehlern eine Rolle und die Fähigkeit verschiedene Kontexte spielerisch wechseln zu können.

In meinem Kurs „Gib‘ Deinem Körper Deine Stimme“ gebe ich die Möglichkeit aktiv diese Dinge zu trainieren. Frage unter contact@valerieadolff.com die nächsten Termine an.

Emotionales Gleichgewicht über den Körper schaffen

Frust, Wut, Neid und Angst entstehen in Verbindung mit Situationen, in denen wir nicht das erzielen, was wir uns wünschen:

  • Wenn wir uns zu viel vornehmen und es zu perfekt machen wollen
  • Wenn wir von Kollegen gemobbt werden oder es nicht schaffen, ein Team zu bilden
  • Wenn Eltern unsere Entscheidungen in der Klasse nicht akzeptieren
  • Wenn der Lehrer*innenberuf gesellschaftlich immer wieder in Frage gestellt wird
  • Wenn die Schulleitung keine klaren Richtlinien oder gemeinsame Strategie vorgibt

Ein flexibler und ausgeruhter Körper kann auf Veränderungen reagieren, nicht aber wenn wir immer auf dieselbe Art und Weise auf unangenehme Situationen emotional reagieren. Meist zeigen sich diese dann in Form von Anspannungen, Schmerz, schlechter Verdauung und/oder unruhigem Schlaf. Durch verschiedenste Techniken der  Körperaufmerksamkeit, Atmung und sich Bewusstmachen, welche proaktive Handlungsweise die jeweilige Situation benötigt, können chronischer Schmerz und andere psychosomatische Erkrankungen  durch emotionaleen (Dauer)stress vermieden werden. Dazu schreibt auch Rüdiger Dahlke in seinen Büchern „Krankheit als Weg“ und“ Krankheit als Symbol“

In Einzel- und Gruppensitzungen biete ich aktives Training der Aufmerksamkeit, Bewegung und Atmung an. „Escucha tu cuerpo“/“Höre Deinem Körper zu“ sind wöchtenliche Klassen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich auch immer mehr gezeigt, dass wir einem neuen Paradigma in der Schulbildung gegenüber stehen. Wir kommen von der Verantwortung de Lehrenden als Informationsquelle, welche die Lernenden mit Inhalt zu befriedigen hatte. Dies erforderte von den Lehrer*innen eine stete weiterführende Aufnahme von Inhalten, während wir heute die Verantwortung verteilen zwischen Lehrenden und Lernenden.
Lehrer*innen werden zu Informations-facilitators, welche die gewünschte Inhalte von Spezialisten dem Lernenden zur Verfügung stellen und der Schüler wird motiviert, die aktive Konstruktion seines Lernens zu übernehmen.

Das neue Lernen stützt sich auf ein gegenseitiges Vertrauen in einem geschützten Rahmen. Dies kann dann ermutigen, etwas Neue auszuprobieren und zu üben, was man noch nie getan hat. Von der Zukunft her führen, also nicht immer auf „ich mache das immer so“, „das hat bisher immer funktioniert“ oder „in der anderen Klasse machen wir das auch so“.

Ein gesunder Austausch mit anderen Kollegen erweitert das Handlungsrepertoire. Wenn wir die Angst verlieren, offen über unsere schwierigeren Momente im Unterricht zu sprechen und die Techniken austauschen können, die funktionieren, dann fühlen wir uns auch in unserem Umfeld unterstützt. Von einer aktiven Problemlösung mit Handlungsalternativen anstatt Aktion-Reaktionsmuster schreibt Dirk Kutting in seinem Werk “ Lehrer*innen und Fallberatung. Kollegiale Selbsthilfe“.

 

Zufriedenheit und Gesundheit im Lehrberuf

Was bedeutet für mich Zufriedenheit? Wie fühlt sich Zufriedenheit im Körper an?
Unser Gleichgewicht kann nur von innen kommen und sich nach aussen ausweiten. Wenn ich meine Einstellung gegenüber Situationen und Menschen verändere, kann ich auf lange Sicht eine Veränderung in meinem körperlichen und emotionalen Gleichgewicht erzielen. Veränderung erfolgt immer von innen nach aussen – ich muss bei mir selbst anfangen und da hilft mich Selbst besser kennenzulernen.

Selbstwirksamkeit bedeutet auch „Ich kann etwas verändern“. Wichtig ist dafür der Abschied vom Perfektionismus, von unnützigen Angewohnheiten, fehlendem Zeitmanagement und falschem Stolz.
Ein gesunder Selbstwert  entsteht durch die Einstellung, dass ich mir meines Einflusses bewusst und nicht abhängig von der Anerkennung der anderen bin.

Mit diesen Qualitäten kann ich als Lehrer*innen*in meinen Entusiasmus wieder anzünden.
Burn-out  heisst auch: es kann nur verbrennen, was angezündet war.
Seit Jahren arbeiten wir aktiv daran, Lehrer*innen in ihrer Mission zu stärken und zu unterstützen. Folgenden wir dem vietnamesichen Mönch Thich Nhat Hanh, dann steckt der Sinn darin, mit glücklichen und zufriedenen Lehrer*innen  die Welt zu verändern.
(Happy teachers change the world –https://youtu.be/pE6AM-uzp5E)

Ich würde gerne noch einen Schritt weitergehen:
Gerne denke ich an die Lehrer*innen*innen zurück, die mich inspiriert haben, die mich gesehen haben, wie ich bin und die mich animiert haben, mein Potential zu entfalten.
Und alle hatten etwas gemeinsam: Sie waren authentisch, sie gaben nicht auf, sondern suchten immer wieder neue Formen des Lernens und Lehrens.
Wahrhafte Lehrer*innen begeistern und  säen etwas in anderen, dass lange Jahre währt.