8 Februar, 2020 Valerie Adolff

Kennst Du Deine Körpersprache?

Ich hatte neulich eine Klasse mit Jugendlichen zum Thema Körpersprache. Wir waren uns einig, dass die Körpersprache sehr nützlich ist, vor allem:

  • Wenn man im Ausland ist, die Landessprache nicht beherrscht und etwas kommunizieren will
  • Wenn man räumlich entfernt auf Sichtweite ist und kurz Verbindung mit anderen aufnehmen will
  • Wenn man einen Vortrag hält oder in einem Vorstellungsgespräch den Inhalt des Gesprochenen mit der Körperhaltung verstärken will

Wir sind dann gemeinsam die international bekannten Gesten zusammen durchgegangen und jeder kannte natürlich den hochgestreckten Daumen für „das mag ich“, den Zeigefinger für jemanden auswählen, die Schultern zucken für „weiss ich nicht“ usw.
Lustig waren die Unterschiede der Gesten in Nord- und Südeuropa, sowie die zum Teil gegensätzlichen Bedeutungen in Westen und Osten. Da kann man schon mal ganz schön daneben liegen mit einer auf ersten Blick einfachen Geste J. Ist Dir das auch schon mal passiert?

Hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie oft Du auf ganz natürliche Art und Weise die Körpersprache im Alltag einsetzt und was es Dir bringt, darauf aufmerksam zu sein?

Ich habe dazu ein Buch von Paul Ekmann gelesen. Er ist Psychologe und hat vor vielen Jahren vor die Bewegungen unserer Körpers, vor allem der Hände und der Gesichtsmuskulatur in Sippen Papua Neu Guineas studiert. Er zu dem Schluss gekommen, dass wir Menschen bestimmte Emotionen unbewusst auf dieselbe Art und Weise ausdrücken. Seine Studien waren später Grundlage der Fernsehserie „Lie to me“, in welcher ein Detektiv in der Aufklärung von Kriminalfällen identifizieren soll, ob die Tatverdächtigten lügen oder nicht.

In meiner Arbeit mit Klienten ist es mir wichtig, dass wir gemeinsam die unbewussten und vor allem sehr automatischen Körperbewegungen beobachten und identifizieren. Sie sind der physische Teil von Verhaltensmustern, die uns in der Kommunikation mit anderen begrenzen.

Je nachdem mit wem wir sprechen bei der Arbeit, mit unseren Partnern, Freunden oder der Familie haben wir gelernt, eine bestimmte Position einzunehmen, die durch eine bestimmte Körperhaltung und Gestik begleitet wird. Diese bestimmen, wie sehr wir Zuhören oder wieviel wir Sprechen, in welchem Ton, Schnelligkeit und mit welcher Anstrengung.

Unseren Bewegungen, nicht nur die der Hände, Arme, Schultern und unserem Gesichtsaudruck kann man ansehen, welche persönliche Haltung wir jemand gegenüber haben. Oder unser Kommunikationspartner uns gegenüber.

Wie kann man diese Körpersprache beeinflussen?

Meist sind es 4 Schritte, die wir in einem Prozess durchlaufen:

  • Auto-Pilot
    Wir müssen uns erst einmal bewusst sein, welche unsere Haltung ist. Oftmals sind Körperhaltungen und innere Haltung eine langjährige unbewusste Einstellung, die wir als „wir sind so“ wahrnehmen. Diese zu beobachten und zu beschreiben hilft uns den Auto-Piloten zu identifizieren.
  • Die Beziehung zur/zum jeweiligen Kommunikationspartner(in)
    je nachem in welcher Beziehung wir zur anderen Person stehen, verändert sich unsere Einstellung. Diese wird durch die Nähe, die Zugehörigkeit, sowie der aktuellen emotionalen Beziehung bestimmt.
  • Ziel des Gesprächs
    Dabei ist der Inhalt eines Gesprächs nicht der wichtigste Teil, sondern welches die Vorstellung ist, mit der wir in die Unterhaltung gehen. Vielleicht wollen wir mehr Nähe aufbauen, sie/ihn um etwas bitten, ein Missverständnis klären oder suchen nach einem Ratschlag. Unsere Klarheit ist ausschlaggebend für unsere Körperhaltung.
  • Die Simulation im sicheren Umfeld
    Bist Du Dir der vorherigen Schritte bewusst, dann beginnt nach der Beobachtungsphase die Simulationsphase, in welcher Dir in den Sitzungen eine sichere Möglichkeit besteht, Dir Deiner Bewegungen bewusst zu werden. Gleichzeitig werden diese mit Alternativen besetzt, bis Du Deine autentische Körpersprache spürst.
  • Wenn es dann Alltäglich wird
    Nach der Simulation kommt natürlich der Test im echten Alltag. Hier kann alles wiederholt, probiert und mit weiterer Unterstützung durch die Sitzungen verfeinert und angepasst werden. Wie jedes Training ist es Frage der Wiederholung und Nachhaltigkeit bis es ins „Alltägliche“ übergeht.

Besondere Momente sind eben die, in welchen wir plötzlich merken, dass ein Gespräch weniger anstrengend wie gedacht ausfällt und dass wir einen besonderen Teil dazu beitragen, besser zuzuhören und näher zu den Menschen stehen, wie wir manchal denken.