11 September, 2019 Valerie Adolff

Einfach kommunizieren

Manuela hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter Paula. Beide haben Humor, sind neugierig und unternehmen gerne etwas zusammen. Nach ihrer Scheidung wurde alles etwas komplizierter, schon alleine von der Organistion her. Manuela hat weniger Zeit für Paula und das spürt sie. Dazu kommt, dass Paula 12 Jahre alt geworden ist und ihre ersten pubertären Hoch und Tiefs hat und mit sich selbst unglücklich und unsicher ist. Manchmal kommt es zwischen den Beiden zum grossen Streit. Paula wird wütend, schreit und wirft ihrer Mutter alles Mögliche vor. Auch wenn nicht alles zutrifft, ist Manuela verletzt, schreit zurück. Dann beginnt ein gespannte Stimmung, die manchmal tagelang anhält. Es ist anstrengend und die Kommunikation wird immer stockender und schwieriger. Manuela schreibt mir und wir entscheiden uns für eine Familiestunde, die wir „Atmen und lächeln“ nennen, in der wir durch ein Aufmerksamkeitstraining eine bessere Verbindung herstellen wollen . Von ihrem Konfliktinhalt wollen wir nicht sprechen, sondern auf die Fähigkeit des Körpers zurückgreifen, einfach zu kommunizieren.
Nach 3 Monaten sind beide ausgeglichen und jede hat ihren persönlichen Weg gefunden, der anderen zu sagen, was sie braucht und was sie will, auch wenn es mal unangenehm ist, dies auszudrücken. Die langen Streitgespräche und verletzende Worte sind Schnee von gestern.
Wie haben wir das geschafft?

Wir begannen mit Beweglichkeit und Flexibilität

Wir nahmen uns Zeit für die Atmung in verschiedenen Varianten

Wichtig war auch der Spass, sich gemeinsam mit Musik zu bewegen

Die Stimme ist der Ausdruck unserer Kommunikation

Wie reagieren wir auf die Kommunikation der anderen Person?

Und was wollen wir anders haben?

Und vor allem zu sehen, dass unabhängig davon, was passiert war, beide gemeinsam entspannen konnten:

Wir trafen uns regelmässig einmal die Woche. Es war nicht notwendig auf die aufgekommenen Konflikte einzugehen, wenngleich Manuela mich informierte. Aber die Absicht war es, eine gemeinsame Stunde ausserhalb der gemeinen Routinen zu gestalten, in welcher jede das zum Ausdruck bringen konnte, was sie wollte und was im Moment wichtig war.
An manchen Tagen gab ich beiden noch ein paar Schreibübungen, mithilfe derer sie nochmals zusammenfassen konnten, was sie gelernt hatten, ihre Wünsche aufschreiben oder der anderen etwas danken konnten. Als ich mal einen Termin auslassen musste, bekamen beide die Aufgabe, ein selbstgemachtes Puzzle mit ihrem Foto zusammenzubauen.
Beide haben viel gelernt, gleichzeitig Spass gehabt und es hat mir bestätigt, dass unser Körper eine einfache Art hat, zu kommunizieren. Für mich ist die Interpretation der Körpersprache immer wieder die Chance, auf die eigenen Fähigkeiten zurückzugreifen und diese dann weiter auszubauen, um die Qualität der Beziehung mit anderen stetig zu verbessern.
Es ist so viel einfacher und herzlicher!

 

Danke für die Bilder, Cornelia Brezing (www.visualelevatorpitch.com)