28 September, 2017 Valerie Adolff

Angst hat viele Facetten – einen Umgang mit Angst durch Aufmerksamkeitstraining

„Ich habe keine Angst“ proklamierte ich schon als Mädchen und klopfte grosse Sprüche. Dadurch lernte ich leider lange nicht mit der Angst umzugehen. Mein Körper versuchte es immer wieder, durch schwierige Atmung, Hautprobleme, unruhigen Schlaf und Sehstörungen mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich sich mehr ungelöste Dinge anhäuften, als dass ich diese verdauen lernte. Und so kam es zu meinem Burn-out. Da ging dann gar nichts mehr.
Heute kann ich sagen, dass ich viele verschiedene Ansätze ausprobiert habe. Was mir am Meisten für mich gebracht hat, ist das Aufmerksamkeitstraining für Körper und Geist. Training bedeutet, dass es nicht einen Schlag tut und alles ist anders, aber dass ich körperlich und emotional an Erfahrungen gelangt bin, die mich sehr zufrieden und glücklich machen. Und mein Umfeld hat mitgelernt. Was ist mir über Angst aufgefallen:

Angst hat viele Facetten:

  • Frenetisch unendlich To-Do-Listen abarbeiten versuchen
  • Was anfangen und nicht zu Ende bringen
  • Immer dieselbe Wahl oder Entscheidung (default-Option)
  • Keine Zeit für sich selbst (für andere aber schon)
  • Schnell noch kurz Dinge erledigen und dann überall zu spät kommen
  • Sich von anderen und ihren Entscheidungen abhängig machen
  • Andere für ihre „individuellen“ Geschmäcker oder Meinungen anklagen
  • Einen „fiktiven Feind“ für „Ich bin doch nicht schuld dafür“ erfinden
  • Sich ständig über Dinge im Alltag ärgern („der Bus kam zu spät, auf dem Amt sind die doch immer so langsam“)
  • Sich wiederholt negative Gedanken über sich selbst und andere machen
  • Immer erst die Fehler und „das Nicht-Funktionieren“ an Personen und Projekten entdecken
  • Frustriert und wütend mit sich selbst sein, weil die Dinge einfach nicht so laufen, wie man sie sich vorgestellt hat
  • Ständig mit etwas im Kopf beschäftigt zu sein:
    eine Situation der Vergangenheit wiederholt zu durchlaufen oder sich eine Zukunftsszenario su planen
  • Wertungen von Gut und Böse oder stete Kommentare über unser Umfeld
  • uvm.

Laut der Neurowissenschaftler kann Angst als eine direkte körperliche Reaktion auf Verän-derungen definiert werden. Etwas in unserem Umfeld verändert sich und unser Körper signalisiert uns dies. Allerdings mag unser Kopf dieser „Alarmglocke“ nicht immer folgen, weil er mit etwas anderem beschäftigt ist. Und so kommt es zu den vielen o.g. Versionen, denen wir nicht die Aufmerksamkeit schenken, weil sie uns schon lange begleiten.
Aber sie sind sehr hilfreich, wenn man sich mit ihnen beschäftigt:

  • Und sich nicht dafür schämt, weil man so denkt
  • Und sich mal in Ruhe damit auseinander setzt
  • Und bedenkt, dass ich und Du ganz ähnliche Erfahrungen machen

 

Nimm‘ Dir mal die Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Nimm‘ Dir mal einen Moment alleine, um Deine Aufmerksamkeit auf Dich zu lenken und mal in Dich „reinzuhorchen“.

Körperaufmerksamkeit, Mindfulness, Meditation, Body attention training etc. sind verschiedene Ansätze dieses „Reinhorchen“ zu vereinfachen. Und sie zeigen Resultate:

The neuroscience behind mindfulness

Rewire your brain for less anxiety

 

STOPP Dich mal, sowie Dein Umfeld, Deine Welt und setze Dich mal mit Dir selber hin!

Klingt anfangs etwas ungewohnt, hat jedoch einen enormen Effekt auf wie Du Dich und Deine Welt wahrnimmst.

Eines der ersten Schritte ist es, jegliche Ablenkungen „abzuschalten“, Dir einen ruhigen Ort zu suchen und erst einmal atmen und den Körper zu spüren. Der Einfachheit halber habe ich Dir ein kleines Übungsbuch zusammengestellt, dass Du Dir auf meiner Webseite herunterladen kannst. Ich empfehle Dir jeden Tag ein bisschen zu üben statt einmal die Woche gleich 5 Übungen zu machen.

Erwarte nicht, dass dies alles „perfekt klappt“. Es kann sein, Du kommst Dir erst einmal „komisch“ vor, oder Du bist es nicht gewohnt, eine Übung oder Atmung mit voller Aufmerksamkeit zu machen. Ähnlich wie jede neue Aufgabe, die an uns gestellt wird, brauchen wir eben Zeit diese zu wiederholen, bis wir sie gelernt haben.

Unabhängig von „ich kann das nicht“ oder „dafür habe ich keine Zeit“, ist der wichtigste Moment der, wenn Du nach Deiner Übung mal spürst, was sie Dir gebracht hat.

Pobiere es einfach aus! Und gerne kannst Du mir Deine Meinung, Deine Zweifel und Fragen schreiben. Bestimmt bin ich durch ganz Ähnliches durchgegangen…